Kursfortschritt gesamt

Modul 6 – Einheit 2

Nichts Neues?!

Hintergrundwissen für Anwender*innen:

In dieser Einheit beschäftigen sich die Teilnehmenden (TN) mit der Frage, wie Israel in aktuellen gesellschaftlichen Debatten dargestellt wird und welche Verbindungslinien zwischen Israelkritik und Antisemitismus bestehen. Ziel ist es, die Wahrnehmung von israelbezogenem Antisemitismus zu schärfen, ohne Kritik an der Politik des Staates Israel zu tabuisieren.

Die Anwender*innen sollen darauf achten, dass die Diskussion in einem Rahmen stattfindet, in dem unterschiedliche Perspektiven ausgesprochen und gemeinsam reflektiert werden können. Wichtig ist, sensibel zu moderieren, wenn antisemitische Narrative oder Zuschreibungen reproduziert werden und Raum für Dekonstruktion zu schaffen.

Wie die gemeinsame Empfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Zentralrates der Juden in Deutschland erwähnt, ist Wissen über Antisemitismus gepaart mit Selbstreflexion für Anwender*innen hilfreich, wenn nicht geboten: „Für alle an Schule Beteiligten ist die Erkenntnis grundlegend, dass für Prävention, Intervention und gegebenenfalls auch Sanktionierung fachliches Wissen und die Reflexion eigener Haltungen und Einstellungen geboten sind.“

Es ist hilfreich, sensibel dafür zu sein, dass Antisemitismus verschiedene Erscheinungsformen annehmen kann. Für diese Einheit ist besonders relevant, dass sich beim israelbezogenen Antisemitismus auch alte christliche antisemitische Motive und Stereotype von „Juden“ auf den Staat Israel projizieren. Rache, alttestamentarische Rache, Vergeltung, Auge um Auge sind vielfach medial mobilisierte Bilder für israelisches Regierungshandeln im Konflikt.

Weiterführendes Material:

Amadeu Antonio Stiftung: deconstruct antisemitism! Antisemitische Codes und Metaphern erkennen

Marc Grimm und Jakob Baier über Antisemitismus im deutschsprachigen Hip-Hop

Bildungsstätte Anne Frank: Die TikTok-Intifada – Der 7. Oktober & die Folgen im Netz

Tipp zur Bildstörung:
Link

 Ziel

Die TN verstehen die Bildsprachen des Antisemitismus und können die Verbindung von Bildern aus christlicher Vergangenheit und säkularer Gegenwart herstellen. Dabei entdecken sie die durchgängig wirksamen antisemitischen Motive (z.B. Kindermord).

Im Einzelnen nehmen sie wahr, wie sich insbesondere israelbezogener Antisemitismus in öffentlichen Diskursen, Medien und Popkultur äußert. Sie lernen, antisemitische Muster in aktuellen Beispielen zu erkennen, kritisch zu reflektieren und von legitimer Kritik an der israelischen Politik zu unterscheiden.

Ablauf

Einstieg im Plenum: Die*der Anwender*in eröffnet mit der Frage: „Was könnte Israel mit Antisemitismus zu tun haben?“
Die Antworten werden in Form einer Mindmap oder eines Tafelbildes gesammelt.
Anschließend kann ergänzend gefragt werden:

– „Welche Motive könnt ihr benennen?“

– „Gibt es Zusammenhänge zwischen vergangenen und gegenwärtigen Bildern/Motiven?“

Gruppenarbeit:

Die TN analysieren historische sowie aktuelle Beispiele israelbezogenen Antisemitismus, vor allem von Plattformen wie TikTok und Instagram.

Gruppe 1: „Kindermord“ – vom Ritualmordvorwurf zu „Kindermörder Israel“

– Historische Darstellungen: zwei Darstellungen zur Ritualmordlegende um Simon von Trient

– Gegenwärtige Darstellungen: zwei Graffiti aus Berlin-Kreuzberg sowie zwei Beispiele von TikTok, in denen Israel als „Kindermörder“ bezeichnet oder dargestellt wird

Die Gruppe untersucht, wie aus der historischen Vorstellung eines von Jüdinnen und Juden angeblich begangenen Ritualmords ein gegenwärtiges Bild Israels als gezielt Kinder mordender Akteur werden konnte.

Gruppe 2: „Gewalt und Rache“ – Israel als grundsätzlich aggressiver Akteur

– Historische Darstellung: „Gesetz und Gnade“, Lucas Cranach der Ältere

– Gegenwärtige Darstellungen: zwei Instagram-Beiträge zum vermeintlichen Zerstörungswillen bzw. Expansion Israels sowie ein SPIEGEL-Artikel mit der Überschrift „Auge um Auge, Zahn um Zahn“

Die Gruppe untersucht, wie christlich geprägte Vorstellungen von jüdischem Gesetz, Rache und Vergeltung in gegenwärtigen Darstellungen auf Israel übertragen werden.

Gruppe 3: „Die Juden/Israel beherrschen die Welt“

– Historische Darstellungen: Titelbild einer deutschen Ausgabe der „Protokolle der Weisen von Zion“ sowie eine Miniatur von Simon Bening, auf der Judas von Hohepriestern Geld erhält

– Gegenwärtige Darstellungen: zwei Instagram Beiträge, die politische Entscheidungsträger*innen über ihre vermeintliche Nähe zu Israel bzw. zu jüdischen Akteur*innen als fremdgesteuert darstellen

Die Gruppe untersucht, wie aus dem historischen Motiv einer jüdischen Weltverschwörung gegenwärtige Vorstellungen von Kontrolle, Einflussnahme und politischer Fremdsteuerung entstehen.

Gruppe 4: Schuldabwehr, Täter-Opfer-Umkehr

– Historische Darstellungen: „Vermahnung wider die Juden“, Martin Luther

– Gegenwärtige Darstellungen: das Demonstrationsschild „Free Palestine from German Guilt“ sowie zwei Instagram Beiträge, von denen einer Israel mit dem Nationalsozialismus gleichsetzt und ein weiterer die mediale Darstellung von Greta Thunberg thematisiert

Die Gruppe untersucht, wie sich historische christliche Schuldzuschreibungen und Feindbilder in gegenwärtigen Formen von Schuldabwehr und Täter-Opfer-Umkehr verändern bzw. fortsetzen.

Die TN analysieren historisches und modernes Bildmaterial, um zu verstehen, dass antisemitische Motive bereits im Mittelalter existierten, sich während der Zeit des Nationalsozialismus fortsetzten und auch nach der Gründung des Staates Israel bis in die Gegenwart immer wieder aufgegriffen werden.

Leitfragen für die Gruppenarbeit:

Einsteigende Bildbetrachtung:  Zuerst sollen die TN das Bild betrachten und die verschiedenen Elemente und die Darstellungsweise erfassen. Die tiefergehende Analyse kann mit folgenden Leitfragen durchgeführt werden:

– Welches Bild von Israel wird hier vermittelt? Welche Eigenschaften werden „den Juden“ bzw. „Israel“ zugeschrieben?

– Welche Probleme werden benannt? Wer wird als Opfer, wer als Täter dargestellt?

– Welches Selbstbild (der Bild-Erstellenden/ Produzent*innen) wird erzeugt?

– Welches antijüdische/antisemitische Motiv/Bild/Erzählung wird auf Israel übertragen?

Präsentation und Diskussion:

Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse im Plenum vor. In der Diskussion können Narrative vertieft werden. Hier sollen die antisemitischen Motive herausgearbeitet werden, die sich kontinuierlich durch die Geschichte ziehen.

 Methode

Kombination aus Plenumsdiskussion, Gruppenarbeit und analytischer Reflexion. Durch die Arbeit mit realen Beispielen aus Medien, Popkultur und Protestformen wird der Transfer zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten ermöglicht. Die TN werden aktiviert, antisemitische Muster zu erkennen, zu hinterfragen und einzuordnen.

 Material

– Flipchart oder Tafel für MindMap