Judentum im Religionsunterricht in der Grundschule: Zwischen Nicht-Thematisierung, Stereotypisierung und Antisemitismusprävention

Der Beitrag von Anna Körs und Janne Braband untersucht, wie Vorstellungen von religiöser Differenz und insbesondere des Judentums im didaktisch angeleiteten Rahmen des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen konstruiert und verhandelt werden. Dazu werden drei unterschiedliche Fälle der Behandlung des Judentums im Religionsunterricht in der Grundschule vorgestellt, die einerseits eine erhebliche Varianz und Bandbreite in der Unterrichtspraxis zum Thema Judentum aufzeigen und andererseits auf die Gefahr der Reproduktion von antisemitischen Stereotypen und einseitigen Geschichtsbildern verweisen. Diese Ergebnisse an der Schnittstelle von Antisemitismus- und Bildungsforschung machen damit gleichsam die Notwendigkeit deutlich, die Behandlung des Judentums im Religionsunterricht auf die Grundlage einer antisemitismuskritischen Bildung zu stellen. Während die vorliegende Studie die Unterrichtspraxis fokussiert und exemplarisch zeigt, dass Judentum, jüdisches Leben und Antisemitismus im Religionsunterricht in der Grundschule sehr unterschiedlich thematisiert werden und die Lehrkraft hierbei eine zentrale Rolle spielt, bleibt u. a. die Frage des institutionellen Settings ein wichtiges Desiderat, um das Potenzial des Religionsunterrichts für antisemitismuskritische Bildung ermessen und auch strukturell entwickeln zu können.

Der Artikel ist kostenfrei als Open-Access-Publikation verfügbar.

Veröffentlicht in: Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik, Vol. 8, S. 643-665 (2024).